Achillessehne – Was Sie wissen sollten
Die Achillessehne (Tendo calcaneus) ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Sie bildet das Endstück der dreiköpfigen Wadenmuskulatur und überträgt beim Laufen und Springen Kräfte, die das Achtfache des eigenen Körpergewichts übersteigen können. Trotz ihrer enormen Belastbarkeit ist sie anfällig für Überlastungsschäden, da sie in bestimmten Bereichen (ca. 2–6 cm oberhalb des Ansatzes) physiologisch schlechter durchblutet ist. Hier entstehen meist die typischen Beschwerden, die wir medizinisch als Achillessehnen-Tendinopathie bezeichnen.
Die Symptome einer Achillessehnenreizung entwickeln sich oft schleichend. Anfangs tritt nur eine Morgensteifigkeit oder ein leichter Anlaufschmerz auf, der nach den ersten Metern verschwindet. Wir sprechen hier von einem trügerischen Warnsignal. Wird die Belastung nicht angepasst, wandeln sich diese Beschwerden in Belastungsschmerzen und schließlich in Dauerschmerzen um. Die Sehne kann verdicken, es bilden sich tastbare Knötchen und bei Bewegung ist oft ein feines Reiben oder Knirschen spürbar. Ignoriert man diese Zeichen, droht im schlimmsten Fall eine Ruptur (Riss) der bereits vorgeschädigten Sehne.
In meiner Praxis in Bietigheim-Bissingen unterscheide ich diagnostisch strikt zwischen der Mid-portion Tendinopathie (Schmerz direkt in der Sehnenmitte) und der Insertionstendinopathie (Schmerz am Sehnenansatz am Fersenbein). Letztere geht oft mit einer Verkalkung oder einem sogenannten dorsalen Fersensporn einher. Mithilfe von hochauflösendem Ultraschall (Sonographie) beurteilen wir in Echtzeit die Sehnenstruktur, die Durchblutung (mittels Power-Doppler) und mögliche Teilrisse. Nur eine exakte Diagnose ermöglicht einen Therapieplan, der wirklich greift.
Das moderne Behandlungskonzept bei Sehnenbeschwerden hat sich radikal gewandelt: Ruhe allein heilt keine Sehne. Sehnen brauchen mechanische Belastung, um sich zu regenerieren – aber die richtige Dosierung ist entscheidend. Ich setze in meiner Privatpraxis auf die fokussierte Stosswellentherapie (ESWT). Diese hochenergetischen Impulse regen die Zellen zur Kollagenproduktion an und fördern die Einsprossung neuer Gefäße. Die Erfolgsquoten bei chronischen Verläufen sind exzellent und verhindern oft langwierige Ausfallzeiten oder operative Eingriffe.
Ein biologischer Meilenstein in der Arthrosetherapie und Sehnenheilung ist die PRP-Eigenbluttherapie. Hierbei gewinne ich aus Ihrem Blut ein Konzentrat aus Blutplättchen und Wachstumsfaktoren, das punktgenau unter Ultraschallkontrolle an die geschädigte Stelle injiziert wird. Dies stoppt die Fehlprozesse im Gewebe und leitet eine echte biologische Reparatur ein. Kombiniert wird dies immer mit einer speziellen Trainingstherapie – dem exzentrischen Krafttraining –, das der Patient zu Hause durchführt, um die Belastungsverträglichkeit der Sehne wieder aufzubauen.
Kortison-Injektionen an die Achillessehne lehne ich strikt ab. Zwar lindern sie Schmerzen kurzfristig sehr effektiv, doch sie schädigen die Sehnenstruktur massiv und erhöhen das Risiko für einen Sehnenriss signifikant. Mein Ziel ist die nachhaltige Heilung und nicht das bloße Maskieren von Symptomen. Bei sportlich aktiven Patienten analysiere ich zudem die Schuhversorgung und Beinachse, um die Ursache der Überlastung dauerhaft auszuschalten. Eine orthopädische Einlagenversorgung kann hierbei eine wichtige unterstützende Rolle spielen.
Sollte es dennoch zu einem Achillessehnenriss kommen, ist schnelles Handeln gefragt. Ich kläre Sie umfassend darüber auf, ob in Ihrem Fall eine operative Naht oder eine konservative Behandlung in einem Spezialschuh (z. B. VACOped) sinnvoller ist. Bei Sportlern unter 60 Jahren ist die operative Rekonstruktion meist der sicherere Weg zur vollen Belastbarkeit. Die Nachsorge wird bei uns engmaschig begleitet, um die Kraft und Beweglichkeit Ihres Sprunggelenks schrittweise wiederherzustellen.